Plastikfrei duschen


Plastikfrei duschen

Plastikfrei duschen beginnt nicht mit gutem Willen, sondern mit einem Blick auf die Ablage in deiner Dusche. Bei den meisten stehen dort drei bis sechs Flaschen: Duschgel, Shampoo, Conditioner, vielleicht noch Rasierschaum und Bodylotion. Alle halten ein paar Wochen, alle werden nachgekauft, alle landen im Gelben Sack. Das Badezimmer ist damit der Raum, in dem sich Plastik am unauffälligsten ansammelt — Stück für Stück, ohne dass es je nach einer Entscheidung aussieht.

Dieser Artikel schaut nach, wo das Plastik in der Körperpflege tatsächlich sitzt: in der Verpackung und im Produkt selbst. Warum Recycling das Problem nicht löst. Und was sich ändert, wenn ein Stück Seife an die Stelle von drei Flaschen tritt. Ohne Moral, mit Zahlen.

Wie viel Plastik im Badezimmer landet — und warum Recycling es nicht löst

Wer weniger Plastik will, fängt fast immer im Supermarkt an. Obst ohne Folie, Stofftasche statt Sackerl, Mehrwegflasche statt Einweg. Das Badezimmer bleibt dabei meistens außen vor — obwohl dort, gleich nach der Küche, die höchste Plastikdichte im ganzen Haushalt steht. Duschgel, Shampoo, Conditioner, Rasierschaum, Bodylotion, Handseife. Sechs Flaschen für eine Tätigkeit, die im Kern aus Waschen besteht.

Die Größenordnung dahinter ist unangenehm konkret: In Deutschland fielen 2023 rund 215 Kilogramm Verpackungsabfall pro Kopf an. Der EU-Durchschnitt liegt bei etwa 178 Kilogramm. Kosmetik- und Pflegeverpackungen sind daran nicht der größte, aber ein besonders hartnäckiger Anteil — weil sie in kurzen Zyklen nachgekauft werden. Eine Duschgelflasche hält drei bis sechs Wochen. Dann kommt die nächste. Genau diese Wiederholung ist der Punkt, an dem plastikfrei duschen den größten Unterschied macht.

Die naheliegende Antwort lautet Recycling. Und auf dem Papier klingt sie gut: Knapp 70 Prozent aller Verpackungen in Deutschland werden recycelt. Nur gilt dieser Wert für alle Materialien zusammen — Glas und Papier ziehen ihn nach oben. Kunststoffverpackungen liegen deutlich darunter, bei gut der Hälfte. Und diese Quote misst, was in die Verwertung hineingeht, nicht was am Ende als neues Produkt wieder herauskommt.

Dazu kommt ein Detail, das in keiner Statistik auftaucht: der Pumpspender. Die Flasche selbst ist meist sortenrein und damit unproblematisch. Der Spender darauf ist es nicht — Kunststoffgehäuse, Metallfeder, Dichtung, oft verklebt und nicht zerlegbar. Was sich nicht sauber trennen lässt, wird in der Sortieranlage aussortiert und thermisch verwertet. Verbrannt, mit anderen Worten. Der Teil der Verpackung, der am aufwendigsten produziert wurde, ist der Teil, der am sichersten nicht wiederkommt.

Genau hier setzt plastikfrei duschen an — eine Stufe früher als Recycling. Nicht besser entsorgen, sondern die Verpackung gar nicht erst ins Haus holen. Das klingt nach Verzicht, ist aber in der Praxis eher eine Reduktion: weniger Flaschen, weniger Nachkaufen, weniger Entscheidungen im Regal.

Mikroplastik: das Plastik, das du nicht siehst

Die Flasche ist nur die eine Hälfte des Problems. Die andere steckt in ihr.

Seit Oktober 2023 sind feste Mikroplastik-Partikel in Kosmetik in der EU verboten — die klassischen Peeling-Kügelchen sind damit aus Duschgel und Co. verschwunden. Das war überfällig und es war richtig. Nur ist damit nicht das ganze Thema erledigt, sondern ein klar abgegrenzter Teil davon: Das Verbot gilt für feste, unlösliche Kunststoffpartikel. Synthetische Polymere in flüssiger, gelöster oder gelartiger Form fallen nicht darunter.

Genau diese Stoffe sind in flüssiger Körperpflege weit verbreitet. Sie machen Duschgel zähflüssig statt wässrig, stabilisieren den Schaum, sorgen für das Gefühl, das man von einem Markenprodukt erwartet. In der INCI-Liste stehen sie als Acrylates Copolymer, Acrylates Crosspolymer, Polyquaternium, Carbomer, PEG-Verbindungen oder als Silikone auf -cone und -siloxane.

Das erklärt auch, warum „ohne Mikroplastik“ auf der Vorderseite weniger aussagt, als es klingt. Die Aussage ist nicht falsch — sie bezieht sich nur auf die festen Partikel, die ohnehin niemand mehr verwenden darf. Über die gelösten Kunststoffe im selben Produkt sagt sie nichts.

Verlässlich ist deshalb nur der Blick auf die Rückseite. Und da wird der eigentliche Vorteil von fester Seife sichtbar: Sie braucht diese Polymere schlicht nicht. Kein Wasser im Produkt heißt keine Verdickungsmittel, keine Emulgatoren, um Wasser und Öl zusammenzuhalten, keine Konservierung gegen Keime, die nur in Wasser wachsen. Was nicht drin ist, muss auch nicht deklariert werden.

Wer plastikfrei duschen will, sollte deshalb beide Seiten prüfen: die Verpackung und die Zutatenliste. Ein Duschgel ohne Plastik in der Flasche, aber mit Polymeren im Inhalt, löst nur das halbe Problem. Plastikfrei duschen meint beides. Mehr zu unserer Auswahl an Inhaltsstoffen steht in Was wir weglassen — und warum.

Was feste Seife anders macht

Der wichtigste Unterschied zwischen fester und flüssiger Körperpflege steht auf keiner Verpackung: Wasser.

Duschgel, Flüssigseife und Shampoo bestehen zu 70 bis 90 Prozent aus Wasser. Der Rest sind Tenside, Verdickungsmittel, Konservierung, Duft. Was du im Regal kaufst, ist also zum größten Teil ein Stoff, den du zu Hause aus der Leitung bekommst — abgefüllt in Kunststoff, gekühlt gelagert, quer durch Europa transportiert und am Ende in genau der Dusche verwendet, in der ohnehin Wasser läuft.

Feste Seife ist dieselbe Reinigungsleistung ohne diesen Ballast. Kein Wasser im Produkt heißt: kein Behälter, der es zusammenhält. Kein Konservierungsmittel, das es keimfrei hält. Kein Verdickungsmittel, das ihm Konsistenz gibt. Und ein Bruchteil des Transportgewichts für dieselbe Anzahl an Anwendungen.

Dazu kommt der Punkt, an dem plastikfrei duschen aufhört, Verzicht zu sein, und anfängt, praktisch zu werden: Ein Stück ersetzt nicht eine Flasche, sondern mehrere Produktkategorien.

Die Rechnung: drei Flaschen, ein Stück Seife

Rechne kurz mit. Eine 300-ml-Flasche Duschgel reicht bei etwa 10 ml pro Duschgang für rund 30 Anwendungen — wer täglich duscht, kommt damit auf ungefähr zwölf Flaschen im Jahr. Shampoo bei zwei bis drei Wäschen pro Woche: noch einmal vier bis fünf. Rasierschaum, je nach Rasurgewohnheit, vier bis sechs Dosen. Die Zahlen schwanken mit dem Verbrauch, die Größenordnung nicht.

Unsere Duschseife ist ein 3-in-1-Produkt: Duschgel, Shampoo und Rasierschaum in einem Stück. Damit fallen nicht zwölf Flaschen weg, sondern die gesamte Kette aus drei Kategorien — inklusive der Pumpspender und Sprühköpfe, die sich am schlechtesten recyceln lassen.

Und weil sie mit 3 % Überfettung rückfettend ist, erübrigt sich für viele auch die Bodylotion nach dem Duschen. Das ist dann die vierte Flasche, die nicht mehr nachgekauft wird. Plastikfrei duschen heißt an dieser Stelle nicht, ein Produkt zu tauschen, sondern vier wegzulassen. Wie sich fest und flüssig sonst noch unterscheiden, haben wir in Duschseife vs. Duschgel im Detail verglichen.

Plastikfrei duschen im Alltag: worauf es ankommt

Der Umstieg scheitert selten an der Überzeugung. Er scheitert an einer matschigen Seife auf einer flachen Ablage.

Ablage und Trocknung. Seife braucht Luft. Liegt sie in einer Pfütze oder direkt im Wasserstrahl, weicht sie auf und ist in zwei Wochen verbraucht. Mit einer Schale mit Ablauf — Rillen, Gitter, Holz oder Metall — und einem Platz außerhalb des Strahls hält dasselbe Stück deutlich länger. Das ist kein Detail am Rande: Es entscheidet darüber, ob plastikfrei duschen sich sparsam anfühlt oder teuer.

Die ersten Wochen mit den Haaren. Wer von Shampoo auf Seife umsteigt, merkt eine Umstellung — die Haare fühlen sich anfangs anders an, oft etwas schwerer. Das liegt meist nicht am Produkt, sondern am Wasser: In kalkhaltigen Regionen verbindet sich Seife mit Kalk zu einem feinen Film. Eine saure Spülung nach der Wäsche löst ihn zuverlässig — ein Schuss Apfelessig oder etwas Zitronensäure auf einen Liter kaltes Wasser, kurz durchspülen, fertig. Nach zwei bis drei Wochen hat sich die Kopfhaut in der Regel eingependelt.

Unterwegs. Hier ist fest schlicht überlegen. Kein 100-ml-Limit am Flughafen, kein Auslaufen im Rucksack, kein Gewicht durch Wasser. Wichtig ist nur eine Dose, die Luft lässt — luftdicht eingepackt bleibt die Seife feucht. Worauf es bei Seife auf Reisen sonst noch ankommt, haben wir separat aufgeschrieben. Für Camping, See und Berg kommt dazu, dass eine echte Naturseife biologisch abbaubar ist, was bei Duschgel selten zutrifft.

Verpackungsversprechen prüfen. „Plastikfrei“ auf der Vorderseite ist kein geschützter Begriff. Kartonverpackungen haben häufig ein Sichtfenster aus Folie oder eine dünne Kunststoffbeschichtung, die sie wasserfest macht — beides macht sie zum Verbundmaterial. Ein kurzer Blick lohnt: Lässt sich die Verpackung mit der Hand einreißen, ohne dass eine Folie stehenbleibt, ist sie in der Regel sauber aus Papier.

Und ein pragmatischer Hinweis: Du musst nicht alles auf einmal umstellen. Fang mit dem Produkt an, das du am häufigsten nachkaufst — bei den meisten ist das Duschgel. Das ist der größte Hebel bei der kleinsten Umgewöhnung — plastikfrei duschen funktioniert auch schrittweise.

Was „plastikfrei“ nicht automatisch heißt

Damit das hier nicht in eine Richtung kippt, in die es nicht gehört: Plastikfrei ist ein Kriterium. Es ist nicht das Kriterium.

Ein Stück Seife ohne Verpackung kann trotzdem eine schlechte Bilanz haben — entscheidend ist unter anderem die Fettbasis. Palmöl ist in fester Seife weit verbreitet, weil es günstig ist und gut verseift. In der INCI-Liste steht es als Sodium Palmate oder Elaeis Guineensis, dort lässt es sich also nachprüfen. Umgekehrt ist „ohne Palmöl“ kein Freibrief: Andere Pflanzenöle liefern pro Hektar weniger Ertrag und brauchen entsprechend mehr Fläche. Eine saubere Antwort gibt es hier nicht, nur eine informierte Entscheidung.

Plastikfrei duschen ist deshalb kein Bekenntnis, das man einmal ablegt und danach verteidigt. Es ist eine Entscheidung, die man einmal trifft — und danach nicht mehr wöchentlich im Regal wiederholen muss.

Häufige Fragen: Plastikfrei duschen

Ist plastikfrei duschen wirklich besser für die Umwelt?

Ja, in der Regel deutlich — vorausgesetzt, man vergleicht ehrlich. Der größte Effekt kommt nicht allein aus der eingesparten Flasche, sondern aus dem fehlenden Wasser: Flüssigprodukte bestehen zu 70 bis 90 Prozent daraus und werden trotzdem abgefüllt und transportiert. Dazu kommt, dass ein 3-in-1-Stück gleich mehrere Produkte ersetzt und damit auch deren Verpackung. Entscheidend bleiben aber Inhaltsstoffe und Herkunft — plastikfrei allein ist noch kein Gütesiegel.

Reicht feste Seife statt Duschgel für Haare und Körper?

Für den Körper ohne Einschränkung — das ist der klassische Einsatzzweck. Für die Haare hängt es vom Produkt ab: Eine echte Naturseife wäscht auch Haare, verlangt in kalkhaltigen Regionen aber eine saure Spülung, damit kein Kalkfilm bleibt. Unsere Duschseife ist als 3-in-1 genau dafür ausgelegt: Körper, Haare und Rasur mit einem Stück. Rechne mit zwei bis drei Wochen Umgewöhnung, dann pendelt sich die Kopfhaut ein.

Enthält Duschgel ohne Plastikverpackung trotzdem Mikroplastik?

Möglich, ja. Das EU-Verbot seit Oktober 2023 betrifft feste, unlösliche Kunststoffpartikel — also die Peeling-Kügelchen. Flüssige und gelöste synthetische Polymere fallen nicht darunter und sind in Duschgel weiterhin üblich, etwa als Acrylates Copolymer, Carbomer, Polyquaternium oder als Silikone auf -cone und -siloxane. Eine plastikfreie Verpackung sagt darüber nichts aus. Wer sicher gehen will, liest die INCI-Liste auf der Rückseite — dort steht, was wirklich drin ist.

Wie bewahre ich Seife auf, damit sie beim plastikfreien Duschen nicht matscht?

Der wichtigste Punkt ist Trocknen zwischen den Anwendungen. Nimm eine Schale mit Ablauf — Rillen, Gitter oder Holz — und stell sie außerhalb des Wasserstrahls auf, nicht auf den Wannenrand. Steht die Seife in einer Pfütze, weicht sie auf und ist doppelt so schnell verbraucht. Unterwegs gilt dasselbe: eine Dose mit Luftlöchern statt luftdicht. So hält ein Stück beim plastikfreien Duschen problemlos mehrere Wochen.

Plastikfrei duschen ist am Ende weniger eine Frage der Haltung als eine der Praxis. Weniger Flaschen auf der Ablage, weniger Nachkaufen, weniger Entscheidungen im Regal — und ein Produkt, das mehrere ersetzt, statt sich dazuzustellen. Der Umstieg kostet zwei bis drei Wochen Umgewöhnung und eine Seifenschale mit Ablauf. Das ist der ganze Aufwand.

Welche Produkte im Bad tatsächlich reichen, haben wir in Minimalismus im Badezimmer aufgeschrieben. Und wenn du einfach anfangen willst: Unsere 3-in-1 Duschseife ersetzt Duschgel, Shampoo und Rasierschaum — rückfettend mit 3 % Überfettung, in Österreich hergestellt, ohne Plastikverpackung.

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